Wenn das Lernen schwierig wird

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In Frankreich wollte vor einigen Jahren eine Mutter das Englisch-Abitur für ihre Tochter schreiben. Der Schwindel flog natürlich auf. Gut gemeint ist eben nicht immer gut gemacht. Aber die Sorge um schlechte Noten und unmotivierte Kinder kennen viele Eltern. Ursache sind manchmal die Umbrüche der Jugendjahre, manchmal schlechte Lerntechniken oder zu viele Ablenkungen. Wir haben einige Ideen dazu.

Zehn FIT-Z-Tipps für Schul-Eltern

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1. Regeln und Rituale helfen: Grenzen und feste Abläufe engen nicht nur ein, sondern geben auch Halt. So fällt es Kindern leichter, sich der Schule zu widmen, wenn sie sich täglich eine bestimmte Arbeitszeit dafür reservieren. Anschließend ist dann aber auch echte Freizeit angesagt. Auch eine tägliche gemeinsame Mahlzeit in der Familie kann zu diesen Ritualen gehören.

2. Das Lernen lernen: Die Englischvokabeln singen und tanzen oder Bilder dazu malen, eine Gedächtniskarte zum Vererbungslehre erstellen, sich ein Memory zu den Details der Französischen Revolution ausdenken. Mit abwechslungsreichen Techniken fällt das Lernen leichter.

Außerdem wichtig: Ablenkungen durch das Handy, kleine Geschwister oder andere „Unruhestifter“ vermeiden und gerade bei einem Berg von Arbeit Pausen machen.

3. Wieder eine schlechte Note? Statt zu schimpfen sollten Eltern trösten. Denn Vorhaltungen bringen das Kind nicht weiter. Besser ist es, den Nachwuchs nach den Gründen zu fragen und nach seinen Vorschlägen, um in Zukunft wieder bessere Noten zu schreiben. Das kann zum Beispiel Nachhilfe sein oder Extra-Lernzeit oder eine Lern-Software.

Nicht abspeisen lassen sollten sich Eltern, wenn das Kind dem Lehrer die Schuld für seinen Misserfolg zuschiebt. Es muss selbst die Verantwortung übernehmen.

4. Motivation als Schlüssel zum Erfolg: Damit frustrierte Kinder sich mit Energie und Ausdauer der Schule widmen, brauchen sie einen Motivationsschub, den Eltern anstoßen können. Eines der Wundermittel heißt Lob. So dürfen Mama oder Papa durchaus würdigen, wenn der Nachwuchs statt zu trödeln sich zügig an die Hausaufgaben macht. Oder wenn er sich von einer „5“ auf eine „4“ verbessert hat.

Daneben helfen Erfolgserlebnisse beim Sport oder einem anderen Hobby, dass das Selbstwertgefühl nicht in den Keller rutscht.

5. Abitur oder lieber glücklich? Wenn der Nachwuchs trotz aller Bemühungen auf keinen grünen Zweig kommt, nützt eine ehrliche Bilanz: Vielleicht ist er auf seiner aktuellen Schule überfordert? Eine Schulberatung kann weiterhelfen. Wenn das Gymnasium das Problem ist: Auch ohne Abi können Kinder ihren Weg machen.

6. Ehrlich gesagt …. Wenn Eltern sich Sorgen machen, dürfen sie das auch sagen. Denn letztlich geht es ihnen darum, ihr Kind fit für ein selbstständiges, glückliches Leben zu machen. Es ist jedoch ganz normal, dass Mütter und Väter nicht immer wissen, was man dem Nachwuchs schon zutrauen kann und was nicht.

Bei aller Unsicherheit: Das Kind hat Vertrauen verdient und wird alles daransetzen, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.

7. Teenager sind „Freiheitskämpfer“: Sie üben fürs Erwachsensein und lösen sich in kleinen Schritten von den Eltern, für die das Loslassen nicht leicht ist. Trotz ihrer Kratzbürstigkeit brauchen die Kinder Unterstützung, Rückhalt und die Gewissheit, dass die Liebe von Mama und Papa nicht an Schulnoten geknüpft ist.

Die Empfehlung: Bei Problemen nicht aufdrängen, aber Offenheit und Interesse zeigen und im Gespräch bleiben.

8. „Wegen Umbauarbeiten geschlossen“: Während der Teenagerjahre organisiert sich das Gehirn neu. Diese Neuordnung im Kopf betrifft auch das Hirnareal, das für Planung, Risikoabschätzung und für Bewertungen zuständig ist. In der Umbauphase haben junge Menschen zum Beispiel Probleme, sich rational zu verhalten, Botschaften zu verstehen oder Gefühle zu „lesen“. Das erklärt vieles, oder?

 

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9. Nachsicht mit „Nachteulen“: Der Schulbeginn in Deutschland macht es Teenies schwer, im Unterricht schon frühmorgens topfit zu sein. In der Pubertät wird das Schlafhormon Melatonin verspätet ausgeschüttet. Deshalb kommen die Kinder abends so schwer ins Bett und morgens ebenso schwer wieder heraus.

10. Wenn es die Null-Bock-Phase ist: Erfahrene Lehrer wissen, dass ab Mitte der 7. Klasse die Schülerinnen und Schüler schwieriger werden, unkonzentriert, unmotiviert. Irgendwann in der 9. Klasse legt sich der Aufruhr: Die Noten werden wieder besser, die Kinder umgänglicher.

Eltern sollten provozierendes Verhalten nicht persönlich zu nehmen. Die Kinder suchen einen starken Gegenpart, an dem sie sich reiben können. Und das tun sie dort, wo sie am meisten Wirkung spüren.